Reizdarm und Reizdarmsyndrom

Ein medizinisches Modell des Darmtraktes

Allgemeines

Das Reizdarmsyndrom ist eines der häufigsten Beschwerdebilder der Magen-Darm-Erkrankungen. Es gehört zu den sogenannten funktionellen Störungen. Es gibt Schätzungen, dass in den westlichen Ländern ca. 10% der Bevölkerung in unterschiedlichem Ausmaß vom Reizdarmsyndrom betroffen sind. Patienten leiden oft jahrelang unter den Symptomen.

Reizdarm Symptome

Die Symptome des Reizdarms können sehr unterschiedlich ausfallen. Viele dieser Symptome ähneln anderen Erkrankungen. Manche Patienten leiden unter ständiger Verstopfung, andere haben wechselnde Symptome in unterschiedlich starker Ausprägung.

Die häufigsten Symptome bei Reizdarm sind:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Bauchschmerzen
  • Völlegefühl nach dem Essen
  • Durchfall
  • Verstopfung
  • Aufstoßen nach dem Essen
  • Stuhlveränderungen

Oft werden die Beschwerden durch die Nahrungsaufnahme ausgelöst, können aber auch unabhängig davon auftreten. Die Schmerzen können sich im gesamten Bauchbereich bemerkbar machen.

Reizdarm Ursachen

In der Schulmedizin ist der Reizdarm bzw. das Reizdarmsyndrom in der Regel eine Ausschlussdiagnose. Patienten die zu mir kommen, hatten meist bereits Blut- und Stuhluntersuchungen sowie Magen- und Darmspiegelung. Häufig wurden aber noch nicht alle Ursachen, die bei solchen Beschwerden vorliegen können, untersucht.

Mögliche Reizdarm Ursachen:

  • Leaky Gut-Syndrom (erhöhte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut) mit IgG-vermittelten Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • Nahrungsmittelallergien
  • Glutenintoleranz
  • Lactoseintoleranz
  • Fructoseintoleranz
  • Histaminintoleranz
  • Zu schnelle oder zu langsame Passagezeit des Darmes
  • Funktionelle Störungen der Oberbauchorgane
  • Erkrankungen der Oberbauchorgane
  • Funktionelle Störungen des Magens
  • Erhöhte Immunaktivität in der Darmschleimhaut
  • Dünndarmfehlbesiedelung (Overgrowthsyndrom)
  • Funktionelle Störungen des Dünndarmes und des Dickdarmes
  • Quecksilberbelastung
  • Störungen der Darmflora (Mikrobiota)
  • Infektionen des Darmes
  • Stress
zeigt Darmkeimanalyse bei Reizdarm Syndrom

Dieses Bild zeigt eine Darmkeimanalyse eines Reizdarmpatienten, bei der eine Fehlbesiedelung des Darmes sichtbar wird.

Reizdarm Diagnostik

Die Diagnostik erfolgt in meiner Praxis zuerst über die Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) und Sichtung aller Vorbefunde. Andere Erkrankungen, die ein ähnliches Beschwerdebild verursachen, müssen ausgeschlossen werden. Nach Anamnese, körperlicher Untersuchung und alternativer Testverfahren bespreche ich mit meinen Patienten das weitere Vorgehen.
Mir ist es wichtig, sinnvoll und geplant vorzugehen und dass der Patient mitentscheidet, welche weitere Diagnostik durchgeführt wird.

Beispiele für diagnostische Verfahren bei Reizdarm sind unter anderem:

  • Wasserstoffatemtest zur Abklärung von Intoleranzen (Lactose, Fructose, Sorbit)
  • Ausschluss Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Nahrungsmittelallergien
  • Ausschluss Glutenintoleranz
  • Darmkeimanalyse
  • Blut- Urin- und Stuhluntersuchungen

Aus der Vielfalt von möglichen Laboruntersuchungen werden die passenden für den jeweiligen Patienten herausgesucht.

Dieser Patient kam wegen eines Reizdarmsyndroms in die Praxis. Nach Anamnese und Untersuchung wurde eine Diagnostik auf Quecksilber veranlasst, wobei sich hier sehr hohe Werte zeigen. Wie sich herausstellte hatte der Patient zusätzlich zu Amalgamfüllungen eine Belastung seines Wohnortes, diese Untersuchung wurde von einem umweltmedizinischem Labor durch Initiative des Patienten durchgeführt. Der Quecksilberwert ist zwar hoch, aber real noch höher. Bei einer Quecksilberbelastung kommt es oft zu reflektorischen Einlagerungen von Kupfer, weshalb hier der Kupferwert hohe Werte zeigt. Zuerst wird bei einer Ausleitung Kupfer ausgeschieden, mit der Zeit wird der Kupferwert niedriger und der Quecksilberwert höher, bis dieser ganz unter der Nachweisgrenze liegt.

Nach der Ausleitung (die sich über mehrere Monate hinzog) zeigte sich eine deutliche Besserung seiner Symptome, bevor mit der eigentlichen Darmbehandlung begonnen wurde.

zeigt hohe quecksilberwerte in laboranalyse
Die Blüte eines Gänseblümchens

Reizdarm Behandlung

Die Behandlung des Reizdarms ist in meiner Praxis immer speziell auf den einzelnen Patienten zugeschnitten. Je nach erfolgten Untersuchungen wird unter Berücksichtigung der aufgedeckten Ursachen ein individuelles Konzept erarbeitet. Es gibt unterschiedlichste Verfahren der Naturheilkunde, die für Patienten mit Reizdarm ausgewählt werden. Wurden Nahrungsmittelintoleranzen festgestellt ist eine entsprechende Diät anzuraten.

Bei Fehlbesiedelungen des Darmes kann eine Darmsanierung sinnvoll sein. Auch psychotherapeutische Ansätze und Entspannungsverfahren wie die Psychokinesiologie sind Therapieansätze.

In meiner Praxistätigkeit stelle ich immer wieder fest, dass es sich meist um mehrere Ursachen handelt, die ein Reizdarmsyndrom auslösen.