Overgrowth Syndrom

Ein medizinisches Modell des Darmtraktes

Allgemeines zum Overgrowth-Syndrom

Beim Overgrowth Syndrom (Dünndarmfehlbesiedelung) handelt es sich um eine Überwucherung des Dünndarms mit Keimen aus dem Dickdarm. Die physiologische Flora des Dünndarms besteht aus Laktobazillen und Enterokokken, die beim Overgrowth Syndrom von Dickdarmkeimen wie bsp. Bifidobakterien oder auch pathogenen (krankmachenden) Keimen zurückgedrängt werden. Dadurch kann es zu einer weiteren Fehlbesiedlung des Dünndarms kommen.

Ursachen und Symptome des Overgrowth Syndroms

Ursachen können eine Schädigung der Darmflora durch Umwelt­­belastungen (zum Beispiel Antibiotika, Nahrungsmittel­­allergien, Schwermetall­­belastungen), Leber- und Bauchspeichel­drüsenerkrankungen oder eine Immun­schwäche sein. Auch eine ungenügende Schließung der Ileocaecalklappe (oder Bauhinsche Klappe), die den Dünndarm vom Dickdarm trennt, kann der Auslöser sein. Dies führt zu unter­schiedlichsten Symptomen wie unklaren Magen-Darm­beschwerden, Unverträglich­­keit von Vollkorn­­produkten, Allergien, Mundgeruch, Hautausschlägen, Nahrungsmittel­­unverträglich­­keiten, Durchfall und Infekt­anfälligkeit. Trotz starker Beschwerden wird dieses Krankheits­­bild selten richtig erkannt und diagnostiziert.

Diagnostik und Therapie des Overgrowth Syndroms

Die Diagnose erfolgt mittels zweistündiger Atemgasanalyse (H2 Atemtest, siehe Diagnostik) in unserer Praxis. Zusätzlich wird die Zusammensetzung der Darmflora untersucht.

Zur Therapie des Overgrowth Syndroms gehört ein Ernährungs­plan und es wird angeraten kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich zu nehmen. Leicht verdauliche Speisen sind zu bevorzugen. Welche Nahrungsmittel weggelassen werden sollen, ist je nach Ausprägung der Erkrankung unterschiedlich.

Neben diesen Maßnahmen ist eine Darmsanierung sinnvoll, um den Dünndarm von pathogenen Keimen zu befreien und eine gesunde Darmflora aufzubauen. Zuerst sollten pathogene Keime, dies können verschiedenste Pilze und Bakterien sein, eliminiert werden, um danach den Aufbau einer gesunden Darmflora und Darmwand zu unterstützen. Auch hier entscheidet die Schwere der Erkrankung, die kinesiologische Testung und das Ergebnis der Stuhluntersuchung über die wirkungsvollsten Mittel.

Weiterhin werden pflanzliche Mittel, Mineralien, Spurenelemente und Vitamine verabreicht, die am Aufbau einer gesunden Schleimhaut beteiligt sind.Die viszerale Osteopathie ist eine bedeutende Säule bei der Behandlung eines Overgroth-Syndroms.

Dieses Beispiel zeigt den Verlauf eines Wasserstoffatemtests bei Verdacht auf eine Dünndarmfehlbesiedelung. Der Wert zeigt bereits nach kurzer Zeit einen hohen Anstieg.

befund eines wasserstoffatemtests bei dünndarmfehlbesiedelung

Es kommt vor, dass die Werte trotz eines bestehenden Overgrowthsyndroms nicht ansteigen. Das kann an einer langsamen Darmpassage, einer extrem gestörten Darmflora oder wenn der Patienten ein sogenannter Nonresponder ist, liegen.

Bei der Dünndarm­fehlbesiedelung ist es wichtig im Rahmen einer Darmsanierung keine Dickdarm­keime zu verabreichen, die oft in Kombi­präparaten enthalten sind. Diese würden das Overgrowthsyndrom noch verstärken. Zuerst müssen die Dünndarm­keime wieder ausreichend vorhanden sein.

Bei dieser Darmkeimanalyse zeigt sich eine Störung der physiologischen Dünndarmflora. Enter­okokken und Lakto­bazillen sind stark vermindert. Dies kann ein Hinweis auf eine Dünndarm­fehlbesiedelung sein.

laborbefund bei verdacht auf overgrowthsyndrom